Ausbildung für

Epi­lep­sie­hun­de

nach Manuela van Schewick

Aus­bil­dung von Epilepsiehunden

nach Manue­la van Schewick

 

Epi­lep­sie wird im Deut­schen auch als „Krampf­lei­den“ oder „Fall­sucht“ bezeich­net. Erkrank­te Men­schen lei­den unter plötz­lich auf­tre­ten­den Krampf­an­fäl­len, die in Häu­fig­keit und Inten­si­tät in unter­schied­lichs­ter Weise auf­tre­ten. Kurze Absen­cen ohne Sturz sind eben­so mög­lich wie große Anfäl­le (Grand mal) mit Bewusst­seins­ver­lust, Sturz und hef­ti­ger Ver­kramp­fung, die gege­be­nen­falls drin­gend ärzt­li­che Hilfe erfordern.

Da Hunde in ihrer Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit uns Men­schen weit über­le­gen sind, ist es ihnen nicht sel­ten mög­lich, nahen­de Anfäl­le bereits im Vor­feld wahr­zu­neh­men. Ihr aus­ge­präg­ter Geruchs­sinn ermög­licht es ihnen, Ver­än­de­run­gen im Stoff­wech­sel des Men­schen zu erken­nen, auch sol­che, die bereits vor einem Anfall statt­fin­den. Über diese olfak­to­ri­schen Fähig­kei­ten hin­aus sind sie her­vor­ra­gen­de Beob­ach­ter und in der Lage, auch mini­ma­le Ver­hal­tens­än­de­run­gen, bei­spiels­wei­se einen ver­än­der­ten Mus­kel­to­nus festzustellen.

 

Hunde, die eine enge Bin­dung an ihre Men­schen haben, ent­wi­ckeln oft Ver­hal­tens­wei­sen, die die dro­hen­de Gefahr signa­li­sie­ren. Besitzt der Mensch die nöti­ge Beob­ach­tungs­fä­hig­keit, Sen­si­bi­li­tät und Ver­trau­en zu sei­nem Hund, kann er sich durch den „Warn­hin­weis“ evtl. in eine siche­re Posi­ti­on bege­ben und so viel­leicht einen Sturz ver­hin­dern. Men­schen, die eine an Epi­lep­sie erkrank­te Per­son pfle­gen, kön­nen vom Hund auf des­sen Anfalls­ge­sche­hen auf­merk­sam gemacht wer­den und recht­zei­tig agieren.

Was ein Epi­lep­sie­hund leis­ten kann

Auf­ga­ben eines Epilepsiehundes

In der Aus­bil­dung von Epi­lep­sie­hun­den machen wir uns nicht nur die geschil­der­ten Fähig­kei­ten zunut­ze und len­ken sie in die rich­ti­gen Bah­nen son­dern trai­nie­ren zusätz­li­che Fer­tig­kei­ten, die wei­te­re Hil­fen für den erkrank­ten Men­schen dar­stel­len. Epi­lep­sie­hun­de kön­nen fol­gen­de Auf­ga­ben haben:

 

  • den Anfall ankündigen
  • Fami­li­en­mit­glie­der heranholen
  • im Haus einen Alarm­knopf betätigen
  • außer Haus Hilfe heranholen
  • den Pati­en­ten nach Hause führen
  • den Pati­en­ten im Anfall durch Hil­fe­leis­tun­gen begleiten
  • dem Pati­en­ten nach dem Anfall beistehen

Eben­so unter­schied­lich wie die Form der Krank­heit und die Lebens­si­tua­tio­nen an Epi­lep­sie erkrank­ter Men­schen sind auch die Anfor­de­run­gen an den Epi­lep­sie­hund. Nicht jeder Hund muss das volle Spe­kr­tum des Erlern­ba­ren beherr­schen. Manch­mal rei­chen klei­ne Hil­fe­leis­tun­gen um den All­tag des Kran­ken bzw. der Fami­lie zu ent­las­ten. So kann es z.B. schon aus­rei­chen, dass der Hund die Eltern eines kran­ken Kin­des im Falle des Anfalls alarmiert.

 

Für jedes Team ist eine maß­ge­schnei­der­te Aus­bil­dung erfor­der­lich, in der die Bedürf­nis­se des Hun­de­füh­rers, sein Umfeld und seine Lebens­si­tua­ti­on eben­so ana­ly­siert und berück­sich­tigt wer­den müs­sen,  wie die psy­chi­sche und phy­si­sche Kon­sti­tu­ti­on des Hun­des. Es gibt Erkran­kun­gen, bei denen sich die Art der Anfäl­le häu­fig ver­än­dert, bei­spiels­wei­se beim Dra­vet-Syn­drom (s. www.epidogsforkids.ch). Hier ist es erfor­der­lich, die Teams sehr eng­ma­schig zu betreu­en und das Trai­ning stän­dig den neuen Erfor­der­nis­sen anzupassen.

Wie Hund und Mensch zum Team werden

Wün­schens­wert und bewährt ist die Ein­glie­de­rung des zukünf­ti­gen Epi­lep­sie­hun­des bereits im Wel­pen­al­ter in sein neues sozia­les Umfeld. Eine enge, ver­trau­ens­vol­le Bin­dung zwi­schen Mensch und Hund ist gera­de für diese Form der Hil­fe­leis­tung von beson­de­rer Bedeu­tung. Zum einen muss der Epi­lep­sie­hund sei­nen Men­schen in all sei­nen Ver­hal­tens­wei­sen wirk­lich gut ken­nen und die nöti­ge Sen­si­bi­li­tät besit­zen, mini­ma­le Ver­än­de­run­gen schnell wahr­zu­neh­men, zum ande­ren muss der Mensch sei­nem Hund soviel Ver­trau­en ent­ge­gen brin­gen, dass er seine Warn­si­gna­le auch annimmt, wenn er selbst noch nichts vom nahen­den Anfall merkt. Durch die inten­si­ve Arbeit des erkrank­ten Men­schen oder sei­ner Betreu­er mit dem Hund ent­ste­hen Bin­dung, Ver­trau­en und gegen­sei­ti­ge Ach­tung. Wir sehen unse­re Auf­ga­be  nicht darin, „Fer­tig­pro­duk­te“ zu lie­fern, die auf Knopf­druck funk­tio­nie­ren! Wir beglei­ten Sie aber gerne auf Ihrem ganz indi­vi­du­el­len Weg zum Mensch-Hund-Team.

 

Der Mensch muss viel ler­nen, damit aus ihm und sei­nem Hund ein Team wird. Er muss sich aus­gie­big mit dem Aus­drucks­ver­hal­ten und der sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­on des Hun­des beschäf­ti­gen, seine Bedürf­nis­se ken­nen um sie im All­tag berück­sich­ti­gen und so Aus­gleich für die anspruchs­vol­le Arbeit des Tie­res schaf­fen zu kön­nen. Er gewinnt jedoch einen uner­setz­li­chen Part­ner, der nicht nur war­nend und hel­fend agiert son­dern sein Leben auf viel­fäl­ti­ge Weise posi­ti­ve ver­än­dern wird.

Unser Aus­bil­dungs­an­ge­bot

  • Bera­tungs­ge­sprä­che bezügl. der Hundeanschaffung
  • Aus­wahl des Welpen
  • Bera­tung bezügl. der Aus­bil­dung bereits vor­han­de­ner Hunde
  • Ana­ly­se der erfor­der­li­chen Hilfeleistungen
  • gemein­sa­me Fest­le­gung der Ausbildungsziele
  • umfas­sen­de theo­re­ti­sche Vor­be­rei­tung des Pati­en­ten bzw. der Familie
  • gemein­sa­me Aus­bil­dung vom Wel­pen­al­ter bis zum „fer­ti­gen“ Hund
    • Teil­nah­me an Semi­na­ren (Theo­rie und Praxis)
    • indi­vi­du­el­le Inten­siv­trai­nings­ta­ge auf dem Bergerhof
    • indi­vi­du­el­le Trai­nings­ta­ge bei den Fami­li­en zuhause
    • Zwi­schen­prü­fun­gen
    • Abschluss­prü­fung
  • dau­er­haf­te Betreu­ung nach der Ausbildung
  • regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung der Teams
Soll­ten Sie als epi­lep­sie­kran­ker Hun­de­be­sit­zer oder Ange­hö­ri­ger beob­ach­tet haben, dass Ihr Hund in irgend­ei­ner Form auf Anfall­si­tua­tio­nen reagiert, wäre es schön, wenn Sie sich einen Moment Zeit näh­men um einen Fra­ge­bo­gen aus­zu­fül­len und an uns wei­ter zu leiten!